Sonntag, 29. Juli 2012

(38) Beobachtungen aus Skiathos


Alle Hotels und Pensionen und Appartements und Studios sind in Skiathos entlang der Südküste aufgefädelt. Kein Tourist übernachtet im Norden der Insel, es gibt dort kein Bett. Dies deshalb, weil es nur entlang der Südküste eine asphaltierte, die Touristenmassen einigermaßen bewältigbare Straße gibt. Was zuerst war, die Straße oder die Hotels, entzieht sich meiner Kenntnis, wie ich auch nicht weiß, ob zuerst die Henne oder doch das Ei.
Das ist schade, weil an der Nordküste viele schöne Strände zum Sandspielen einladen. Die Kapazität der Strände an der Südküste ist begrenzt, es wird schon eng. Zum Ausgleich überredet man täglich mehrere hundert Touristen, einen sog. Ausflug zu buchen. Diese willigen gerne, weil Touristen ja grundsätzlich neugierig sind, ein und lassen sich in ausrangierten Walfangflotten um die Insel herum schippern und an einem nordseitigen Strand für ein paar Stunden aussetzen.
Das schaut dann so aus, dass der Strand mittels einer einziehbaren Hühnerleiter mit dem Boot verbunden wird, über die die Touris direkt in die bereit stehende Tavernenhalle geleitet werden. Dort verteilen sie sich, nachdem sie kurz den Umweg über das Wasserklosett auf der Rückseite der Verpflegungsanstalt gemacht haben, auf die im Quadrat aufgereihten griechischen Tische mit ihren Minisesselchen. Nach kurzer Zeit ist alles besetzt und der Kellner geht zu jedem Tisch und fragt, was gespeist werden will, obwohl er schon vorher weiß, dass auf jedem Tisch ein Greek Salat, ein Tzatziki und ein Souvlaki mit Pommes geliefert werden wird. Er fragt trotzdem. Er ist echt höflich. Nachher bringt er Ouzo, damit die Stimmung steigt. Den Ouzo kassiert er nicht von den Touris, sondern vom Kapitän des Bootes, der seine lustigen Gäste freudig wieder an die Südküste bringt.
Dort verteilen sie sich nach einer kurzen Reinigungsphase in den Badezimmern der Hotels, Pensionen, Appartements und Studios neuerlich auf diverse in der Nähe geparkte Tavernen.
Wieder fragt der Kellner aus purer Höflichkeit. Er kennt es nicht anders, niemals würde er einfach einen Greek Salat ohne zu fragen hinstellen. Erst seit kurzer Zeit brechen die Kellner aus diesem Dilemma aus und stellen den Gästen Grüße aus der Küche ungefragt hin. Die Gäste nehmen es gelassen und verzehren gierig und grüßen zurück in die Küche und warten auf den Salat mit Schafskäse und Oregano.
Neben den Ausflugsbooten nutzen die Tours entlang der asphaltierten Straße der Südküste die extra für sie hin und her pendelnden Busse. Es besteht ein Shuttledienst vom Ostende beim Flughafen bis zum westlichen Ende beim Bananastrand. Jeder Touri fährt mindestens zwei Mal täglich Bus. Auch die die zu Hause die Öffis meiden und umweltschädigend das Auto nutzen. So verteilen sich die Touris besser auf der Insel und lernen mehr von der Südküste kennen.
Der indische Gastarbeiter treibt die Ziegenherde ebenfalls täglich von Troullos im Süden senkrecht über die Insel an die Nordseite. Die Ziegen gehen zu Fuß. Sie können sich das Ausflugsticket nicht leisten. Sie bekommen ebenfalls Salat, diesen aber ohne Schafskäse.
Am Abend ist der Strand wieder einsam und die Zurückgebliebenen beginnen mit dem Aufräumen, Müll entsorgen, Klo putzen und der Reinigung des Sandstrandes. Bereit für den Ansturm am nächsten Tag.
Sommerurlaub auf Skiathos - Was man da tut. Der Film. Siehe hier: http://www.sturmlechner.at/fotos/griechenland

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