Freitag, 6. September 2013

Mittwoch, 1. Mai 2013

(41) Vögeln

Während die Finken oben bereits den Nachwuchs versorgen,


wird im Stockwerk darunter noch munter gevögelt.



Freitag, 4. Januar 2013

(40) Shopping with the Lady


Was ein guter Ehemann ist, der muss leiden. Denn es genügt nicht, nur ein guter Ehemann zu sein, man muss es auch beweisen. Täglich. Und besonders beim Shoppen with the Lady.
Er, der gute Ehemann (DGE), in Italien wäre das IMB (il marito bravo), in England TGH (the good huppy) und in Frankreich LMB (le mari bien), merkt euch das, ihr Ehemänner! DGE dackelt also hinter seiner Lady von Geschäft zu Geschäft, von Regal zu Regal, von Kleidungsstück zu Kleidungsstück, ohne zu drängeln. DGE braucht Dis-Zi-Plin und Ge-Duld. Und Ausdauer, Höflichkeit, Kommunikationsfertigkeit, Verstellbarkeit und die ganze Schauspielkunst und zwar in jeder Sekunde. Es dauert, bis so ein Outlet-Universum durchgescreent ist, wobei ja wirklich jedes einzelne Stück haptisch und optisch begutachtet werden muss. Da darf sich DGE keinesfalls fußmarod zeigen.
Die Outlets sind die Greißler der Zukunft, es gibt sie an jeder Ecke und sie verdrängen die Billas. Mehr dazu in Blödsinn macht schlau – Das letzte Krokodil von Venedig. Edition Keiper. Bei Amazon und im Buchhandel erhältlich.

http://www.amazon.de/Blödsinn-macht-schlau-Krokodil-Venedig/dp/3902901039/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1347259492&sr=8-4

Die unwissenschaftliche Eheverhaltensforschung bietet nur wenige Handlungsempfehlungen zum idealen Shopping-Verhalten DGE (des guten Ehemannes) und ich darf mich zu den glücklichen Ehemännern zählen, die über all die guten Eigenschaften verfügen und daher zu dem einen von tausend Ehemännern zählt, der von seinem Ehegespons tatsächlich gerne zum Shoppen mitgenommen wird. Daher erlaube ich mir an dieser Stelle, einige wertvolle Tipps zu geben.
Neben den oben genannten sind das die wichtigsten Eigenschaften und Handlungsempfehlungen für DGE:
-     Die volle Konzentration auf das Objekt (der Begierde der Lady) an der Lady (dem Objekt der Begierde DGE) beim Screenen, während der Anprobe und in der Entscheidungsphase.
-     Fokus auf den Kaufakt, sich dabei von nichts und niemandem ablenken lassen (Handy abdrehen, Unwetter, Taschendiebe und Schmerzen im Kreuz außer Acht lassen).
-     Im entscheidenden und richtigen Moment eine Pro-Kaufempfehlung abgeben und damit den ohnehin bereits gefassten Entschluss der Lady bestätigen.
-     Großzügigkeit walten lassen bis hin zu keinerlei Verhältnis zum eigenen Geld haben.
-     Sofort auf Lethargie umschalten, das Hirn abdrehen, sobald sich auch nur eine Millisekunde an Pause ergibt. Dies dient der überaus wichtigen Erholung zwischendurch, andernfalls ist eine Shoppingtour physiologisch unmöglich durchzustehen.
-     Die Instore-Foltermusik ausblenden und beide Lauscher auf den Mund der Lady richten (ähnlich der Pferde und Schäferhunde).
-     Sollte ein 38er-Dings zu groß sein und sie ein 36er wünschen, dieses ihr umgehend in der gleichen Farbe und Machart bringen (was natürlich bedingt, dass man sich vorher gemerkt haben muss wo es hängt).
-     Bei Schuhproben vor ihr hinknien, kurz anbeten und zubinden.
-     Auf die Frage Passt mir das? IMMER mit ja antworten! Auch dann, wenn es eventuell zu klein ist.
-     Auf die Frage Steht mir das? fast immer mit ja antworten, auch bestens oder perfekt oder sieht sexy aus (bitte sich einen eigenen reichen Wortschatz anzueignen, denn je abwechslungsreicher die spontanen Antworten ausfallen desto besser). Gelegentlich, aber nicht oft, auch ein Kleidungsstück ablehnend bescheinigen, wodurch das übrige enthusiastische Pro-Gelaber glaubwürdiger wird, aber nur dann, wenn die Lady selber sehr große Zweifel bemerken lässt (Achtung auf Täuschungsmanöver der Lady, auf diese nicht hereinfallen!).
-     Maximal einmal pro Kaufexzess wegen der Glaubwürdigkeit – siehe oben – von sich aus eine kleinere Größe empfehlen (das sind meistens die niedrigeren Zahlen), niemals eine größere.
-     Zügig zur Kassa gehen, am besten noch während sich die Lady in der Kabine das Ursprungsgewand anzieht, und die Sache fixieren.
-     Nachkauf-Dissonanzen der Lady zerstreuen (eigene völlig verdrängen), etwa mit locker hingeworfenen Sprüchen wie ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis dieses Stück oder du bist darin sowas von toll oder deine Freundinnen werden dich beneiden. Auch hier empfiehlt sich das frühzeitige Studium einiger wohlüberlegter und möglichst individualisierter Phrasen.
-     Ihr zum Kauf gratulieren, einen Kuss geben und die Taschen tragen.
Ideal wäre nun, man hätte ein Langzeitgedächtnis, doch während DGF (die gute Frau) dem guten Stück noch nach Jahren Zeit, Ort und das spezifische Verhalten DGE zuordnen kann, hat er es in der Sekunde vergessen, in der er das Dings im Kofferraum verstaut hat.
Was ein guter Ehemann ist, muss leiden. Aber er wird belohnt.

Mittwoch, 15. August 2012

(39) Sackzwicken im Konzert


Was ein Kulturmensch ist, geht ins Konzert. Aber ich fühle mich dort unsicher, weil ich manchmal nicht weiß, wann ich zu klatschen habe. Ich verlasse mich auf die anderen und die Claqueure.

Auch kenn ich mich mit den Stücken nicht aus, selbst wenn ich im Programmheft mitlese, weiß ich nicht, welches gerade gegeben wird. Und bin ich schon sehr in Trance oder gar eingeschlafen, schon werde ich wieder wach-geklatscht, die Erholungsphasen dauern nur wenige Minuten.

Insgesamt dauert so ein Konzert oft lang, man muss still sitzen, da frag ich mich, ob´s auch niemandem beginnt, am Sack zu zwicken.

Während ich diese Zeilen in der ersten Reihe sitzend – um mich abzulenken – aufnotiere, schaut mich der Virtuose immer öfter an und prüft, wie heftig und lange ich klatsche. Vermutlich glaubt er, ich sei ein wichtiger Zeitungskritiker. Dabei mache ich mir lediglich Gedanken über die wesentlichen Einflussfaktoren auf das Sackzwicken.

Es ist wichtig, sich vor dem Konzert diesbezüglich Gedanken zu machen. Denn während des Konzerts aufzustehen, die Oberhose runter zu lassen, die Unterhose zurecht zu rücken, den Sack gar manuell zu verlegen, die Oberhose wieder hinauf zu ziehen, sich wieder zu setzen, kommt nicht gut und steht im krassen Widerspruch zu den allgemeinen Gepflogenheiten im Konzert.

Der Sack ist von Natur aus sehr flexibel, man muss ihm nur die passende Untergatt überstülpen. Die Auswahl der Untergatt ist für den Genuss eines Konzertes wichtiger, als würde man zu einem Mädchen gehen. Eine Liebestöteruntergatt ist beim Mädchen deppert, im Konzert egal. Hauptsache sie passt und zwickt nicht. Nur dumm, wenn man mit dem Mädchen samt Absichten ins Konzert geht. Hierzu empfiehlt sich die gemeine Kompromissgatti, weil ein Gattenwechsel zwischen Konzert und danach sich in der Praxis als undurchführbar erwiesen hat.

Bei Socken sagt man, dass Blasenbildung an den Fersen verhindert werden kann, wenn man diese einige Tage anbehält. Ob das ein probates Mittel gegen das Sackzwicken ist, weiß ich nicht. Wissenschaftlich ist es jedenfalls noch unerforscht.

Der Forschung kommt man schon recht nahe, analysiert man die Einflussfaktoren genauer. Da ist zuerst einmal die Beschaffenheit der Unterhose selber, sein Material, die Elastizität, die Passgenauigkeit, wie lange sie schon getragen wurde, usw. Dann die Hose darüber, wobei die selben Kriterien wie für die Unterhose gelten. Die Luftfeuchtigkeit und Temperatur im Konzertsaal; das individuelle Schwitzverhalten des Körpers; die Dauer der Veranstaltung und deren  Unterbrechung mit Pausen, die Anzahl und Länge der Pausen; die Beschaffenheit der Sitzgelegenheit, ob aus gefährlichem Plastik oder Kunstleder oder aus weichem, sich dem Hintern anpassenden Materials. Auch das gegebene Stück hat Einfluss, ist es schön, lenkt es ab, ist es langweilig und rutscht man am Sessel herum, dann ist der Einfluss weniger gut.

Was ein Kulturmensch ist, der muss leiden.




Sonntag, 29. Juli 2012

(38) Beobachtungen aus Skiathos


Alle Hotels und Pensionen und Appartements und Studios sind in Skiathos entlang der Südküste aufgefädelt. Kein Tourist übernachtet im Norden der Insel, es gibt dort kein Bett. Dies deshalb, weil es nur entlang der Südküste eine asphaltierte, die Touristenmassen einigermaßen bewältigbare Straße gibt. Was zuerst war, die Straße oder die Hotels, entzieht sich meiner Kenntnis, wie ich auch nicht weiß, ob zuerst die Henne oder doch das Ei.
Das ist schade, weil an der Nordküste viele schöne Strände zum Sandspielen einladen. Die Kapazität der Strände an der Südküste ist begrenzt, es wird schon eng. Zum Ausgleich überredet man täglich mehrere hundert Touristen, einen sog. Ausflug zu buchen. Diese willigen gerne, weil Touristen ja grundsätzlich neugierig sind, ein und lassen sich in ausrangierten Walfangflotten um die Insel herum schippern und an einem nordseitigen Strand für ein paar Stunden aussetzen.
Das schaut dann so aus, dass der Strand mittels einer einziehbaren Hühnerleiter mit dem Boot verbunden wird, über die die Touris direkt in die bereit stehende Tavernenhalle geleitet werden. Dort verteilen sie sich, nachdem sie kurz den Umweg über das Wasserklosett auf der Rückseite der Verpflegungsanstalt gemacht haben, auf die im Quadrat aufgereihten griechischen Tische mit ihren Minisesselchen. Nach kurzer Zeit ist alles besetzt und der Kellner geht zu jedem Tisch und fragt, was gespeist werden will, obwohl er schon vorher weiß, dass auf jedem Tisch ein Greek Salat, ein Tzatziki und ein Souvlaki mit Pommes geliefert werden wird. Er fragt trotzdem. Er ist echt höflich. Nachher bringt er Ouzo, damit die Stimmung steigt. Den Ouzo kassiert er nicht von den Touris, sondern vom Kapitän des Bootes, der seine lustigen Gäste freudig wieder an die Südküste bringt.
Dort verteilen sie sich nach einer kurzen Reinigungsphase in den Badezimmern der Hotels, Pensionen, Appartements und Studios neuerlich auf diverse in der Nähe geparkte Tavernen.
Wieder fragt der Kellner aus purer Höflichkeit. Er kennt es nicht anders, niemals würde er einfach einen Greek Salat ohne zu fragen hinstellen. Erst seit kurzer Zeit brechen die Kellner aus diesem Dilemma aus und stellen den Gästen Grüße aus der Küche ungefragt hin. Die Gäste nehmen es gelassen und verzehren gierig und grüßen zurück in die Küche und warten auf den Salat mit Schafskäse und Oregano.
Neben den Ausflugsbooten nutzen die Tours entlang der asphaltierten Straße der Südküste die extra für sie hin und her pendelnden Busse. Es besteht ein Shuttledienst vom Ostende beim Flughafen bis zum westlichen Ende beim Bananastrand. Jeder Touri fährt mindestens zwei Mal täglich Bus. Auch die die zu Hause die Öffis meiden und umweltschädigend das Auto nutzen. So verteilen sich die Touris besser auf der Insel und lernen mehr von der Südküste kennen.
Der indische Gastarbeiter treibt die Ziegenherde ebenfalls täglich von Troullos im Süden senkrecht über die Insel an die Nordseite. Die Ziegen gehen zu Fuß. Sie können sich das Ausflugsticket nicht leisten. Sie bekommen ebenfalls Salat, diesen aber ohne Schafskäse.
Am Abend ist der Strand wieder einsam und die Zurückgebliebenen beginnen mit dem Aufräumen, Müll entsorgen, Klo putzen und der Reinigung des Sandstrandes. Bereit für den Ansturm am nächsten Tag.
Sommerurlaub auf Skiathos - Was man da tut. Der Film. Siehe hier:
https://www.youtube.com/watch?v=Np18DJWw_qQ